Urban Farming: Was städtische Farmen tatsächlich bringen (2024)

Urban Farming soll in den Ballungsräumen die Menschen lokal mit Lebensmitteln versorgen. Wie ökologisch die Farmen tatsächlich sind und zukunftsträchtige urban farms weltweit.

Bereits heute lebt die Hälfte der 7,5 Milliarden Erdenbürger in Städten. Laut Berechnungen der UNO sollen es bis 2050 sogar 70 Prozent sein, bei einer Weltbevölkerungszahl von dann geschätzten 10 Milliarden. Sieben Milliarden Menschen in urbanen Ballungsräumen müssen mit Lebensmitteln versorgt werden, von einer Landwirtschaft, die heute bereits an ihre Grenzen kommt.

Die gängige Lösung seit Jahrzehnten: Ein eingespieltes System aus Turbosaatgut aus dem Labor, dass mit Kunstdüngern und Duzenden von Pestiziden in Monokulturen angebaut wird.

Die Artenvielfalt geht verloren und Ressourcen werden verschwendet, wenn beispielsweise in trockenen Gebieten mit Unmengen Wasser Lebensmittel für den Detailhandel produziert und mit fossile Energieträger Lebensmittel rund um den Globus transportiert werden.

Zahlreiche Fachleute sehen Urban Farming als die Lösung an, um die stetig wachsenden Städte mit Essbarem zu versorgen. Das löst gleich mehrere der angesprochenen Probleme.

Lebensmittelproduktion mitten in der Stadt

Früher produzierten die Bauern auf dem Land das, was die lokale Bevölkerung versorgte – regional und saisonal.

Das ist nun der Anspruch des Konzepts Urban Farming. In Zukunft sollen vertikale Farmen und innovative indoor Farmen eine urbane Landwirtschaft ermöglichen. Ziel ist eine effiziente und ökologische Produktion von Gemüse, Obst und sogar Fisch.

Was für Urban Farms im grossen Stil spricht

Ein global organisiertes Lebensmittelproduktionssystem bedeutet eine enorme Umweltbelastung. Es sind längst nicht nur Fleischprodukte aus der argentinischen Steppe oder die mit Soja aus Südamerika gefütterten Rinder, die als die alleinigen Klimasünder auf unseren Tellern landen.

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In Taiwan arbeiten die indoor Farmer mit neuster Technologie und LED-Beleuchtung. Foto © AzmanJaka/ E+

Auch die ganzjährige Verfügbarkeit von Allerweltsgemüse und -Obst, das kreuz und quer über unseren Planeten geschifft, odergeflogen wird, hat eine schlechte CO2-Bilanz. Hier kann Gemüse und Obst direkt aus Indoor Farming neue Lösungen bieten, da der Transport wegfällt.

Es gibt zudem heute schon die Erkenntnis, dass der Wasserverbrauch beim professionellen Urban oder Vertical Farming vergleichsweise gering ist. Bis zu 95 Prozent kann dieser reduziert werden. Kein Wunder, geschehen sie meist Indoor (im Gewächshaus oder in Gebäuden) und mit ausgeklügelten Bewässerungssystemen.

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Urban Gardening auf dem Dach kann äusserst ertragreich sein, wie hier in Quebec. Foto © manonallard/iStock / Getty Images Plus

Urbanes Gärtnern im grossen Stil kann diese Reisestrapazen und den Ressourcenverbrau deutlich reduzieren.

Willkürlicher Pestizideinsatz braucht es bei der Technologie dieser Farmen nicht. Bei den innerstädtischen Landwirtschaftsprojekten wird in der Regel auf chemische Mittel (Pestizide wie Kunstdünger) verzichtet.

Zudem sorgt das gross angelegte urbane Gärtnern für örtliches Wirtschaftswachstum, da neue Firmen entstehen und es reduziert die Verpackungsflut. Vom urbanen Garten in das Restaurant oder zum Händler um die Ecke, auch da hat das System Vorteile.

Frische ist ein weiteres Argument für das urbane oder gar das raumeffiziente Vertical Farming. Frisches Gemüse aus der Nachbarschaft könnte womöglich Food Waste reduzieren. Alleine weil das frische Grün länger hält.

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Urbane Gärten wie dieser in Paris, verbessern das Stadtklima und erhöhen die Biodiversität. Foto © espiegle/ iStock / Getty Images Plus

Urbane Landwirtschaft – seien es auch noch so kleine Gärten oder Agrareinrichtungen, die Nutzpflanzen anbauen und veräussern oder gemeinschaftliches Gärtnern in engagierten Gruppen verbessern auch das Stadtklima. Viele würden profitieren, auch und gerade der städtische Konsument.

Verglichen mit der bodenbasierten Landwirtschaft, können in den Vertical Farms sowie Indoor Farms bis zu 10 Mal mehr Gemüsepflanzen auf gleicher Fläche angebaut werden. Hier wächst alles optimal. Bei zahlreichen Projekten sogar das ganze Jahr.

Einziger wunder Punkt der vertikalen Landwirtschaft wie auch der Indoor-Produktion von Lebensmitteln: Der Energieverbrauch ist vergleichsweise hoch. Sollen vertikale Farmen und die Urbane LandwirtschaftRessourcen schonen, müssen sie zwingend mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Urban Farms könnten demnach zu einer ökologischen Ernährung der Weltbevölkerung beitragen. Wie solche Projekte aussen, zeigen diese zukunftsweisenden städtischen Farmen.

Die erstaunlichsten Urban-Farming-Projekte der Welt

1 F(r)isch vom Dach: Grösste Dachfarm der Schweiz

Mit 1000 m² Grundfläche betreibt ecco-jäger, ein Schweizer Obst- und Gemüsegrosshändler, in Bad Ragaz (SG) die grösste Dachfarm der Schweiz. Hier wird mittels der nachhaltigen Aquaponik-Methode Fisch- und Pflanzenzucht betrieben.

Aquaponik kurz erklärt: Das Wasser der Anlage fliesst in einem geschlossenen System. In grossen Tanks leben Buntbarsche. Deren verunreinigtes (Dünger) Wasser fliesst durch die Anzucht von Salaten und Kräutern, deren Aufzucht erdlos geschieht. Die Pflanzen filtern die Nährstoffe heraus und die Fische erhalten wieder gereinigtes Wasser. Ein optimaler Kreislauf. Abnehmer der frischen Ernte sind Hotels, Restaurants und Caterer.

Ein ähnliches, wenn auch kleineres Projekt haben die Urban Farmers in Basel umgesetzt. Das einmalige Urban Farming-Projekt in Basel.steht allerdings seit 2018 still. Laut den Betreibern, die das System auch entwickelten, würde so ein kleines Urban Farming-Projekt nicht wirtschaftlich arbeiten.

2 Knackfrisches Grün aus Londoner Luftschutzbunker

In London wird Gemüse in einem 30 Meter unter der Erde liegenden Luftschutzbunker angebaut. Heute heisst es 'Nomen est Omen' bei Growing Undergrund, das erste Vertical Farming-Projekt der Welt unter der Erde.

Hier wird in übereinander angeordneten Hochbeeten, eben wie beim Vertical Farming üblich, Etage für Etage und mit einem geschlossenen Wassersystem ganzjährig bei gleichbleibenden klimatischen Bedingungen Gemüse angebaut. Wenn auch ohne Sonnenlicht. Die Anbauweise spart 70 Prozent Wasser gegenüber dem konventionellen Anbau. Anbau und Ernte sind CO2-neutral.

Im Idealfall landet das frische Gemüse innerhalb von vier Stunden nach der Ernte im Supermarkt und auf dem Teller der Konsumenten. Frischer geht's nur aus dem eigenen Garten.

Sky Greens: Wie man im Stadtstaat Singapur im grossen Stil Gemüse anbaut

Bereits 2012 startete das Projekt Sky Greens in Singapur, das keine sonderlich grossen Anbauflächen besitzt. Dadurch musste man bis dato jede Menge Lebensmittel per Schiff und Flieger importieren. Die Firma bringt seit Jahren Unmengen von frischem Grün in den Handel und auf die Teller der Menschen in der Millionenmetropole. Und das innovative Unternehmen wächst.

Sky Greens ist die weltweit erste CO2-arme, hydraulisch betriebene, vertikale Farm. Die Hydraulik lässt die turmförmig angeordneten Beete rotieren, sodass jede Pflanze ausreichend Sonnenlicht erhält.

Wurde mit 100 solcher Türme gestartet, befindet sich das Farming-Projekt des Unternehmens gerade im Ausbau auf bis zu 2000 Türme. In naher Zukunft können so zig Millionen Pflanzen jährlich geerntet werden.

Berlin: Urbanes Gärtnern XXL

ECF Farmsystems heisst jene Firma, die unter anderem die Dachfarm in Bad Ragaz gebaut hat. Die Firma ist auf urbane und vertikale Farmen spezialisiert und betreibt sogar eine eigene Dachfarm in der Metropole Berlin. Auf 1800 m² wird auch hier ein Aquaponik-System betrieben, in dem wiederum die Buntbarsche den Basilikumanbau optimieren.

Das Endprodukt wird tagesfrisch geerntet beziehungsweise geschlachtet und wird regional unter anderem an den Einzelhandel, Berliner Restaurants und Caterer ausgeliefert. Umweltschonende, kurze Wege und Kühlketten gibt es auch hier wieder.

Big Apple: Gemüse in der ganzen Stadt

New York ist die Mutter des urbanen Gärtnerns. Brachflächen wurden bereits in den 1970ern zu gemeinschaftlich betriebenen und beackerten Gärten umfunktioniert.

Laut Grow NYC zählt die Metropole über 600 Flächen für urbanes Gärtnern. Jährlich kommen neue dazu. Die Produkte werden in örtlichen Greenmarkets verkauft.

Daneben beherbergt New York mehrere Urban Farms, wie beispielsweise die Battery Urban Farm. Hierim Urban Gardening-Projekt lernen Schüler aus 100 Schulen der Stadt mehr über Biodiversität und den Anbau von über 100 Gemüsesorten. Der Ertrag wird in der Schule verwertet oder an gemeinnützige Einrichtungen gespendet.

Last but not least beeindruckt das Urban Farming-Projekt der Firma Gotham Greens. In insgesamt drei Dachfarmen und auf annähernd 10.000 m² baut Gotham Greens frisches Gemüse an.

Die grösste Vertical Farming-Anlage der Welt

Paris ist eine der am dichtesten bebauten Städte in Europa. Im Frühjahr 2020 öffnet die grösste Vertical Farm der Welt ihre Pforten. Auf dem Dach des Pariser Kongresszentrums Paris Expo kaum 15 Minuten vom Eifelturm entfernt, sollen auf insgesamt 15'000 m² täglich über 900 Kilo Obst und Gemüse geerntet werden. Zudem sollen auf dem Büro-Haus 140 Kleingärten entstehen. Das Konzept sieht auch ein Kultur-Angebot, Führungen und Events vor, die das Angebot abrunden.

Die Produkte gehen in das ebenfalls entstehende Gasthaus inmitten der Vertical Farm, an Handel, Gastronomie und direkt an interessierte Konsumenten im ganzen Süden von Paris. Auch bei diesem Projekt wird auf Aquaponik gesetzt und der Wasserverbrauch beträgt wiederum lediglich einen Bruchteil der konventionellen Landwirtschaft.

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FAQs

What is the main idea of urban farming? ›

Urban agriculture is a general term that refers to the production, processing, distribution, and sale of food within urban, suburban, and peri-urban (i.e., on the perimeter of urban areas) areas for commercial, non-commercial, hobby, educational, or nonprofit purposes.

What is urban farming in AP human geography? ›

"Urban agriculture includes the cultivation, processing and distribution of agricultural products in urban and suburban areas. Community gardens, rooftop farms, hydroponic, aeroponic, and aquaponic facilities, and vertical production are all examples of urban agriculture.

What problems does urban farming solve? ›

The benefits of urban farming include access to fresh, healthy food in urban areas where access to supermarkets and other food retailers may be limited. This is particularly important in “food deserts,” areas where residents have limited access to fresh, nutritious food.

Is urban farming a good thing? ›

Urban agriculture can improve food and nutrition security by increasing the availability of fresh, healthful, and culturally appropriate foods (Hodgson et al., 2011). Intensive production strategies for fruit and vegetable or egg production can support a consistent supply of fresh local foods for urban residents.

Why is urban farming bad for the environment? ›

“Most of the climate impacts at urban farms are driven by the materials used to construct them — the infrastructure,” Goldstein said. “These farms typically only operate for a few years or a decade, so the greenhouse gases used to produce those materials are not used effectively.

How do I start urban farming? ›

Starting an Urban Farm?
  1. Find Training. There is a great deal of knowledge and expertise involved with starting a farm. ...
  2. Create a Business Plan. ...
  3. Find Appropriate Land. ...
  4. Test Soil. ...
  5. Learn the Basics of Production. ...
  6. Ensure Food Safety. ...
  7. Learn about Other Urban Farms. ...
  8. Explore Resources for Beginning Farmers.

What are six examples of urban agriculture? ›

Community gardens, rooftop farms, hydroponic, aeroponic and aquaponic facilities, and vertical production, are all examples of urban agriculture. Tribal communities and small towns may also be included.

What are the benefits of farming? ›

In many poor areas and developing countries, farming has been shown to save people from poverty and vastly reduce rates of unemployment. Studies have also shown investment in this area helps the economy in terms of employment more than in other areas, further proving the economic benefits of farming.

Why did farmers move to urban areas? ›

With such capitals, these farmers and their families were willing to settle in urban areas that could provide more job opportunities and better living conditions (Figure 3).

How does urban farming help the poor? ›

Additionally, it makes fresh food cheaper, allowing people in low-income areas access to affordable produce. Urban farming can help reduce poverty because when more people have jobs and are able to buy, it fuels the economy, creating even more opportunities.

Can urban farming solve hunger? ›

Taken together, these findings indicate that urban agriculture, represented by farming cooperatives and community-run gardens, can produce healthy and affordable food that is community-controlled, potentially improving community health and well-being, and benefitting lower-income residents who may have lower access to ...

What are the effects of urban gardens? ›

Built into cityscapes in places like local parks and schools, urban gardens offer immeasurable benefits to people who might otherwise go without nearby green spaces. This includes better health, stronger community connections and an environment more resilient to climate impacts.

Do urban farms make money? ›

The average urban farmer sees sales revenue of just under $54,000 a year. Farmers with hydroponic operations can earn an average of more than double that amount, while rooftop farmers earn just one-sixth of it.

How does urban farming work? ›

By producing food on unused land in cities, urban agriculture can reduce the amount of land needed for rural agriculture. When agriculture takes advantage of unused space in cities, it can directly reduce carbon emissions since foods grown in or near cities travel shorter distances.

What cities in the United States have a lot of urban farms? ›

Top Five US Cities for Urban Farming and Homesteading
  • #5: Paso Robles, CA. Located on the Central Coast of California, Paso Robles has a relatively low population density compared to other cities in California. ...
  • # 4: Billings, MT. ...
  • # 3: Barnstable Town, MA. ...
  • # 2: Honolulu, HI. ...
  • # 1: Burlington, VT.

What is the main idea of urbanization? ›

Urbanization refers to the concentration of human populations into discrete areas. This concentration leads to the transformation of land for residential, commercial, industrial and transportation purposes. It can include densely populated centers, as well as their adjacent periurban or suburban fringes (see Figure 1).

What is the role of the urban farmer? ›

Job Summary

Urban farming involves strenuous physical work in all weather conditions. Examples of daily activities include bed preparation, transplanting, seed sowing, watering, weeding, tilling, thinning, composting, harvesting, produce handling, storage, some minor construction and marketing.

What was the reason the urban farming movement began? ›

Howard's garden cities were a response to the upheaval of the Industrial Revolution. Likewise, urban planners became increasingly interested in mending the rural/urban divide during the Great Depression, as a means of restoring social order.

What are your primary reasons for starting an urban farm? ›

One of the main benefits of urban agriculture is that food is produced locally, allowing people in urban areas a higher level of food security and self-sufficiency. O'Hara said that for many urban populations, “it's not only about food security and food access, but rather nutrition security and nutrition access.

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